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Peter Rühmkorf


Der Schriftsteller Peter Rühmkorf wurde am 25. Oktober 1929 als unehelicher Sohn der Lehrerin Elisabeth Rühmkorf in Dortmund geboren. Aufgewachsen ist er in Warstade. Nach dem Besuch der Volksschule in seinem Heimatort wechselte er 1939 zum Athenaeum Stade und machte dort 1951 sein Abitur. Danach studierte er bis 1957 zunächst Pädagogik und Kunstgeschichte, später Germanistik und Psychologie in Hamburg. Sein ursprüngliches Studienziel, Volksschullehrer zu werden, gab Rühmkorf nach einigen Semestern auf.

Zusammen mit dem Lyriker und Essayisten Werner Riegel gab Rühmkorf von 1951 bis zu dessen Tod 1956 die hektographierte Literaturzeitschrift „Zwischen den Kriegen“ im Eigenverlag heraus, als zugleich lyrische und politische Plattform des „Finismus“, in der Rückschau eine bedeutende Heftreihe jener Jahre. Er war auch einer der Gründer des und Hauptschreiber im – für die junge widerständische Intelligenz der 1950er Jahre sehr bedeutsamen – Studentenkurier, später in dessen Folge-Zeitschrift „konkret“.
Von 1958 bis 1964 arbeitete Peter Rühmkorf als Verlagslektor im Rowohlt Verlag.

Danach betätigte er sich als freier Schriftsteller und Dichter in Hamburg. Er war häufig Gastdozent für moderne deutsche Literatur an deutschen und internationalen Universitäten, in Austin, Texas, 1969 bis 1970, in Essen 1977, in Warwick 1978, in Frankfurt am Main 1980, in New Hampshire 1983 und Paderborn 1985 bis 1986. Als Stadtschreiber von Bergen-Enkheim wirkte er 1976, von 1964 bis 1965 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom.

Er war seit 1960 Mitglied der Gruppe 47, des P.E.N., sowie der Akademie der Künste Berlin, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und der Freien Akademie der Künste in Hamburg. 1964 heiratete er die Psychologin Eva-Marie Tietze, die unter dem Ehenamen Eva Rühmkorf u.a. als Leiterin einer Strafanstalt und als Kultusministerin in Schleswig-Holstein arbeitete.

Zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2004 zeigte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe eine Ausstellung zu Werk und Leben mit etwa 850 Exponaten, die eine bedeutende zeitgeschichtliche Einsicht in das umfangreiche Privatarchiv des Dichters gaben.

Peter Rühmkorf, geprägt durch seine Kindheit an der Oste, hat seine Heimat nie vergessen. So war er hier häufig zu Gast. So hielt er u.a. 1995 eine Lesung zu Ehren seiner Mutter Elisabeth Rühmkorf in der Kulturdiele, die der Geschichts- und Heimatverein organisiert hatte. Er schrieb Bücher, Gedichte über seine Heimat, über die Oste, über die Schwebefähre. In seinem Buch „Die Jahre, die ihr kennt“ haben Erinnerungen an seine Jugend im Land Hadeln, zum Inhalt, sein Tagebuch„Tabu I“ enthält Texte von seiner Mutter. Peter Rühmkorf war einer der wichtigsten zeitgenössischen deutschsprachigen Autoren.

Er schrieb Lyrik, Essays, Theaterstücke, Märchen und führte Tagebuch. Er galt, bzw. gilt als Urgestein der deutschen Nachkriegsliteratur. Andere nannten ihn den sprachmächtigsten Virtuosen seiner Generation.
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki schrieb nach seinem Tode im Juni 2008 über ihn:

„Er war ein feinsinniger Ästhet, ein raffinierter Schöngeist, ein exquisiter Ironiker. Nur war er zugleich ein plebejischer Poet, ein handfester Spaßmacher, ein Verwalter des literarischen Untergrunds, ein Dichter der Gasse und der Masse, einer, der die Lyrik auf den Markt gebracht hat. Er schämte sich nicht, das Drastische, das Vulgäre zu schätzen. Und er zögerte nicht, das Distinguierte, das Elitäre zu bewundern. In seinen Versen finden Schlager, Gassenhauer und Kinderreime ein unmittelbares Echo. Aber auch die Oden Klopstocks und die Lieder von Matthias Claudius, die Hymnen Hölderlins. Dieser Rühmkorf ist nie ganz seriös- und immer sehr ernst.“

Für seine Werke wurde Peter Rühmkorf mit nahezu allen deutschen Literaturpreisen ausgezeichnet worden:


  • 1958 - Hugo-Jacobi-Preis
  • 1976 - Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay
  • 1979 - Erich Kästner Preis für Literatur der Erich Kästner Gesellschaft
  • 1979 - Annette von Droste Hülshoff Preis
  • 1980 - Alexander-Zinn-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg
  • 1981 - Literaturpreis der Stadt Bremen
  • 1984 - Ehrengabe der Heinrich Heine Gesellschaft der Stadt Düsseldorf
  • 1985 - Arno Schmidt Preis
  • 1987 - Preis der Kasseler Kunstausstellung: documenta-Schreiber
  • 1988 - Heinrich-Heine-Preis des Ministeriums für Kultur der DDR
  • 1989 - Ehrenpromotion durch die Justus-Liebig-Universität Gießen
  • 1993 - Georg-Büchner-Preis
  • 1993 - Justinus-Kerner-Preis der Stadt Weinsberg
  • 1994 - Medaille für Kunst und Wissenschaft der Freien und Hansestadt Hamburg
  • 1995 - Plakette für das Jahr 1993 der Freien Akademie der Künste Hamburg
  • 1996 - Preis der Bestenliste des Südwestfunks (SWF)
  • 1997 - Walter-Hasenclever-Literaturpreis
  • 1998 - Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Göttingen
  • 2000 - Carl-Zuckmayer-Medaille in Anerkennung der Verdienste um die deutsche Sprache
  • 2000 - Hoffmann von Fallersleben Preis für zeitkritische Literatur
  • 2000 - Johann Heinrich Voß Preis der Stadt Otterndorf für Literatur
  • 2001 - Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik
  • 2003 - Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen
  • 2005 - Erik-Reger-Preis der „Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz“
  • 2008 - Kasseler Literaturpreis (postum)

Ein Teil seiner Veröffentlichungen:


  • „Wolfgang Borchert“, Biographie 1961
  • „Die Jahre, die ihr kennt“ Anfälle und Erinnerungen 1972
  • „Strömungslehre I“, Poesie 1975
  • „Walter von der Vogelweide, Klopstock und ich“ 1975
  • „agar agar – zaurzaurim" Zur Naturgeschichte des Reims und der menschlichen Anklangsnerven 1981
  • „Der Hüter des Misthaufen.“ Aufgeklärte Märchen 1983
  • „Außer der Liebe nichts“ Liebesgedichte 1986
  • „Deutschland ein Lügenmärchen“ 1993
  • „Lass leuchten! Memos, Märchen, Tabu, Gedichte, Selbstportrait mit und ohne Hut“ 1993
  • „Tabu I“ Tagebücher 1989 – 1991, 1995
  • „Die Last, die Lust und die List“ Aufgeklärte Märchen 1996
  • „wenn - aber dann“ Vorletzte Gedichte 1999
  • „Schachtelhalme. Werke 3 Schriften zur Poetik und Literatur“ 2001
  • „Das Lied der Deutschen“ über Hofmann von Fallersleben 2001
  • „Tabu II“ Tagebücher 1971 –1972 2004
  • „Wenn ich mal richtig Ich sag“ Ein Lese-Bilderbuch 2004
  • „Aufwachen und Wiederfinden“ Gedichte 2007
  • „Paradiesvogelschiß“ Gedichte 2008

Am 8. Juni 2008 ist Peter Rühmkorf im Alter von 78 Jahren verstorben. Auf dem Hauptfriedhof in Hamburg-Altona fand er seine letzte Ruhestätte.

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